Eine Glutenintoleranz (Zöliakie) liegt vor, wenn sich die Schleimhaut des Dünndarms entzündet hat, und somit wichtige Nährstoffe im Körper nicht mehr richtig aufgenommen werden können. Diese heutzutage häufige Erkrankung wird auch als einheimische Sprue oder Glutenunverträglichkeit bezeichnet. Aufgrund der Entzündung bilden sich die Ausstülpungen der Dünndarmschleimhaut zurück. Von diesen sogenannten Zotten werden im Normalfall die lebenswichtigen Nahrungsbestandteile wie etwa Fett, Eiweiß, Milchzucker und Vitamine verwertet. Stattdessen gelangen sie bei einer Zöliakie teilweise unverarbeitet in den Dickdarm, und werden von dort ausgeschieden. Die Folge sind schwerwiegende Mangelzustände, zum Beispiel an Eisen, oder Knochenschwund. Häufig tritt auch chronischer Durchfall auf.

 

Gluten kommt in Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel vor

Ursache der Zöliakie ist eine lebenslängliche Unverträglichkeit gegenüber dem sogenannten Klebereiweiß Gluten. Es kommt in Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Gerste und auch Dinkel vor, und wirkt bei der Vermischung des gemahlenen Korns mit Wasser tatsächlich wie eine klebrige, zähe Masse. Unter normalen Verhältnissen spaltet das Enzym Gewebetransglutaminase dieses Gluten in der Dünndarmschleimhaut auf. Bei Zöliakie-Kranken jedoch entstehen Antikörper gegen das betreffende Enzym, weil Gluten sozusagen als Schädling für den Körper erkannt wird. Diese Antikörper greifen die Darmschleimhaut an, welche sich so entzündet.

 

Glutenunverträglichkeit hat in den vergangenen Jahren auffällig zugenommen. Sie kommt nach verschiedenen Erhebungen bei einem von 70 bis 200 Menschen weltweit vor. Das entspricht ca. 0,5 – 1,4% der Weltbevölkerung. Damit wird sie als die häufigste Verdauungsstörung mit einer immunologischen Ursache klassifiziert. Sie kann bereits bei Säuglingen auftreten. Häufiger Beginn im Erwachsenenalter ist die Zeit zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr. Sobald ein Betroffener jedoch keine glutenhaltigen Lebensmittel mehr genießt, klingt die Entzündung im Dünndarmbereich ab.

 

Einzige Hilfe ist eine strenge und dauerhafte Diät

Eine strenge und dauerhafte Anti-Gluten-Diät ist die einzig wirksame Therapie gegen die Zöliakie. Bereits nach zwei Wochen haben sich die Beschwerden der Krankheit bei rund zwei Dritteln aller Patienten merklich vermindert. Wenige Monate später bilden sich dann die entzündlichen Erscheinungen an der Dünndarmschleimhaut zurück. Innerhalb weniger Jahre sind alle Verdauungsprobleme, wenn die Diät eingehalten wird, sämtlich vorüber. Die veränderten Ernährungsgewohnheiten sollten durch einen Spezialisten überwacht werden.

 

Glutenunverträglichkeit kann in der Familie weitergegeben werden

Die Zöliakie kann wegen ihrer genetischen Besonderheiten relativ leicht an Familienmitglieder weitergegeben werden. Dies betrifft Verwandte ersten Grades. Leidet eine Mutter unter der Glutenintoleranz, tragen Kinder ein erhöhtes Risiko, die Erkrankung zu bekommen oder für sie anfällig zu sein. Bereits bei Kleinkindern können die Symptome auftreten, sobald sie Getreideprodukte in Breiform zu sich nehmen. Es treten vermehrt Blähungen und unangenehme Durchfälle auf. Der Windelinhalt ist aufgrund der gestörten Fettverdauung unnatürlich ölig-glänzend. Ein betroffenes Kleinkind hat oft Bauchschmerzen, muss häufiger als gewöhnlich erbrechen, und wirkt oft missgelaunt und psychisch sehr sensibel.

 

Bei größeren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen können diese Beschwerden nachlassen oder ganz verschwinden, aber zu jeder Zeit zurückkehren. Die möglichen Folgeschäden einer Glutenunverträglichkeit werden davon jedoch nicht berührt. Dies betrifft nicht nur die direkten Auswirkungen der mangelhaften Nährstoffversorgung, sondern auch mögliche Entwicklungskomplikationen wie Kleinwüchsigkeit oder sogar Unfruchtbarkeit. Gleichfalls liegt ein gesteigertes Risiko von sogenannten Autoimmunerkrankungen wie zum Beispiel Diabetes vor. In seltenen Fällen kann es in Folge der chronischen Entzündung bei älteren Erwachsenen zur Entwicklung von Darmkrebs kommen.

 

Ein Facharzt hat wirksame Möglichkeiten, eine Zöliakie zu erkennen, und therapierend einzugreifen. Die Antikörper im Dünndarm lassen sich mit verschiedenen Tests klar nachweisen. Daraufhin können endoskopische Spiegelungen und zusätzlich Gewebeentnahmen aus dem Dünndarm vorgenommen werden, die Aufschluss über die typischen Veränderungen auf der Schleimhaut geben. Neben den üblichen Abflachungen der Dünndarmschleimhaut kann es dort auch zu Vertiefungen und auffälligen Ansammlungen von Lymphozyten (Trägern der Immunabwehr) kommen.

 

Was darf ich nicht mehr, was weiterhin essen?

Wenn eine Zöliakie und der damit notwendig verbundene absolute Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel sicher herausgefunden sind, muss ein Betroffener deshalb keineswegs auf eine vollwertige und ausgewogene Ernährung verzichten. Angebracht ist lediglich eine gründliche und konsequente Umstellung der Ess- und Trinkgewohnheiten. Streng gemieden werden müssen Bier, Brot und Backwaren, Kekse, Malzkaffee, Müsli und andere Cerealien, Nudeln, paniertes Fleisch und Pizza. All dies enthält die bekannten glutenhaltigen Getreidesorten. Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit werden gut mit diesen Konsequenzen umgehen können, denn seit dem Jahr 2005 besteht für entsprechende Nahrungsmittel eine Kennzeichnungspflicht.

 

Stärker im täglichen Speiseplan können nun alle glutenfreien Getreidesorten berücksichtigt werden. Das sind beispielsweise Amaranth, Buchweizen, Hirse, Mais, Quinoa und Reis. Keine Angst muss ein glutenintoleranter Verbraucher deshalb vor dem Verzehr von Fleisch, Geflügel, Fisch und Meeresfrüchten, Hülsenfrüchten, Kaffee und Tee, Kartoffeln, Marmelade und Honig, Eiern, Milch und Milchprodukten, Butter, Margarine, Nüssen, Obst und Gemüse, Wasser und Säften sowie Wein und Sekt haben. Größere Vorsicht ist jedoch beim Essen in fremden Ländern angebracht, weil dortige Restaurants nicht immer zuverlässig auf die Gefahren für glutenintolerante Gäste hinweisen. Niemals schaden kann es deshalb, auf Reisen immer ein glutenfreies „Notpäckchen“ bei sich zu haben.