Die Vorsorgevollmacht ist das unverzichtbare Instrument für all diejenigen, die ihre eigene Zukunft auch dann noch selber gestalten möchten, wenn sie nicht mehr dazu in der Lage sind, eigene Entscheidungen zu treffen, beispielsweise durch ein fortschreitendes Alter, eine Gebrechlichkeit, verschiedene Krankheiten oder sonstige plötzliche Notsituationen. Solche Fälle können jeden betreffen, sodass niemand zu jung ist, um über eine Vorsorgevollmacht nachzudenken.

 

Was ist eine Vorsorgevollmacht?

Die Vorsorgevollmacht ist eine Vereinbarung, in der der Betroffene regelt, wer ihn in bestimmten oder auch allen Lebensbereichen vertritt, wenn er es aus den verschiedensten Gründen selber einmal nicht mehr kann. Dies können beispielsweise die Familie, Freunde etc. sein. Mit der Vorsorgevollmacht ist es möglich, in gesunden Tagen selber eine Vertrauensperson auszuwählen, die bei einer später eintretenden Geschäfts- oder Einwilligungsunfähigkeit für den Betroffenen entscheidet und handelt. Der Bevollmächtigte regelt die Angelegenheiten des Vollmachtgebers. Die Vorsorgevollmacht sollte rechtzeitig schriftlich verfasst werden. Im Internet können Muster und Formulare herunter geladen werden. Sie sollte den Namen, das Geburtsdatum und die Anschrift des Verfassers und Bevollmächtigten enthalten. Zudem sollte das Dokument mit der Unterschrift, dem Ort und Datum versehen sein. Es ist zudem sinnvoll, dass der Bevollmächtigte ebenso unterschreibt, auch wenn dies rein rechtlich nicht zwingend notwendig ist.

 

Wozu braucht man eine Vorsorgevollmacht?

Die Vorsorgevollmacht dient dem Ziel, das Recht auf Selbstbestimmung zu stärken und eine gesetzliche Betreuung zu vermeiden, die vom Vormundschaftsgericht eingesetzt wird. Wenn durch Krankheit, Unfall usw. die eigenen Angelegenheiten und Geschäfte nicht mehr selber getätigt werden können, ist es sinnvoll, wenn eine Vorsorgevollmacht vorliegt. Darin ist ein Vertreter bestimmt, der dies im eigenen Sinne übernimmt. Das Gericht darf in diesem Fall keine gesetzliche Betreuung anordnen.

 

Was wird mit einer Vorsorgevollmacht geregelt?

Im Text sollte möglichst ausführlich erläutert werden, bei welchen verschiedenen Angelegenheiten der Bevollmächtigte den Vollmachtgeber vertreten darf. Die Vollmacht kann sich auf unterschiedliche Inhalte beziehen. Dazu gehören beispielsweise:

* Gesundheit

Darf der Bevollmächtigte alle gesundheitlich wichtigen Entscheidungen treffen, Krankenunterlagen einsehen und sonstige Maßnahmen anordnen, wenn dies zum Wohlbefinden des Vollmachtgebers dient, beispielsweise die Unterbringung im Heim? Darf er in ärztliche Heilbehandlungsmaßnahmen einwilligen oder sie verweigern?

* Wohnung

Darf er Mietverträge kündigen, die Auflösung des Haushalts vornehmen, über den Aufenthalt entscheiden etc.? In der Vorsorgevollmacht können zudem sehr persönliche Anliegen festgehalten werden, beispielsweise welche Möbelstücke mit in ein Heim sollen.

* Behörden

Darf der Bevollmächtigte den Vollmachtgeber gegenüber Ämtern, Versicherungen, Gerichten usw. vertreten?

* Vermögen

Darf er das Vermögen verwalten, den Vollmachtgeber gegenüber Kreditinstituten vertreten und alle nötigen Rechtsgeschäfte eingehen?

* Grundstücksgeschäfte

Sollen in der Vorsorgevollmacht zudem Grundstücksgeschäfte geregelt sein, ist es erforderlich, sie notariell zu beglaubigen.
Die Vorsorgevollmacht sollte die Aufgaben, die im Bedarfsfall zu regeln sind, klar und unmissverständlich benennen. Sonst ist die Gefahr gegeben, dass eine nicht eindeutig formulierte Vorsorgevollmacht im entsprechenden Falle unwirksam ist. Die Vollmacht kann mit einer Betreuungs- und/oder Patientenverfügung kombiniert sein. Die Vorsorgevollmacht sollte mindestens alle zwei Jahre übergeprüft und bei einem entsprechenden Bedarf geändert werden. Letzteres kann so lange geschehen, wie der Vollmachtgeber geschäftsfähig ist. Das Gleiche gilt für einen Widerruf.

 

Benötige ich überhaupt eine Vorsorgevollmacht oder kann auch meine Familie für mich entscheiden?

Eine Vorsorgevollmacht ist auf jeden Fall empfehlenswert, denn nein, der Ehepartner oder das eigene Kind können nicht automatisch die Entscheidungen übernehmen. Liegt keine Vorsorgevollmacht vor, setzt das Amtsgericht einen rechtlichen Betreuer ein, der die Angelegenheiten regelt. Wer nicht möchte, dass dies ein fremder Mensch übernimmt, sollte unbedingt die Vorsorgevollmacht ausfüllen und eine Vertrauensperson angeben.

 

Wonach sollte ich meinen Bevollmächtigten auswählen?

In der Vorsorgevollmacht sollte auf jeden Fall jemand benannt werden, dem man nahe steht und dem zugetraut wird, dass er die Angelegenheiten im eigenen Sinne regelt, beispielsweise der Ehepartner oder die Kinder. Junge Leute setzen am besten die Eltern als Vertreter ein. Auch hier gilt wieder: Kommt es beispielsweise zu einem Unfall, geben die Ärzte den Eltern lediglich Auskunft, wenn eine Vorsorgevollmacht vorliegt. Es ist auch möglich, mehrere Personen zu beauftragen, um die verschiedenen Angelegenheiten auf mehrere Personen zu verteilen, beispielsweise dass sich einer um die Angelegenheiten rund um die Kinder und ein anderer um die Bankgeschäfte kümmert. Es ist ratsam, alle Beteiligten zu informieren, dass sie eingetragen wurden, um sicherzugehen, dass sie sich der Aufgabe gewachsen fühlen und auch sollten sie wissen, wo sich die Vorsorgevollmacht befindet.

 

Muss die Vollmacht notariell beglaubigt werden bzw. benötige ich Zeugen?

Es ist laut Gesetz nicht vorgeschrieben, dass die Vollmacht durch einen Notar beglaubigt werden muss. Eine Ausnahme bildet die Berechtigung eines Bevollmächtigten zum Kauf oder Verkauf eines Grundstücks oder zur Aufnahme eines Darlehens. Einer vom Notar beglaubigten Vollmacht wird allerdings eine gewisse Durchsetzungskraft gegeben.

 

Fazit 

Wer nichts dem Zufall überlassen und eine Vertrauensperson wählen möchte, die sich um die verschiedenen Angelegenheiten kümmert, wenn er selber nicht mehr handlungs- und entscheidungsfähig ist, sollte unbedingt rechtzeitig eine Vorsorgevollmacht ausfüllen. Die eigene Familie darf einen selber in solch einem Fall nicht automatisch vertreten, sondern das zuständige Gericht bestimmt, wenn keine Vollmacht vorliegt, einen Betreuer.