Sturzrisiko bei älteren Menschen

Zu den unangenehmen Begleiterscheinungen des hohen Alters gehört leider auch ein erhöhtes Sturzrisiko. Zahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge stürzt ein Drittel der 65-Jährigen und Älteren mindestens einmal jährlich. Bei den über 80-Jährigen stürzt mehr als die Hälfte einmal im Jahr. Gerade für ältere Menschen kann ein Sturz schwere Folgen für die Gesundheit haben: Knochenbrüche verheilen langsamer und gerade Senioren sind mit einer Verletzung erheblich in ihrer Selbstständigkeit eingeschränkt. Zudem birgt ein Sturz auch die Gefahr eines weiteren Sturzes, wenn Trittsicherheit und Bewegungsfreiheit durch eine vorherige Verletzung ohnehin eingeschränkt sind. Selbst wenn es nach einem Sturz bei einem Schrecken bleibt, oftmals sitzt der Schock über das Erlebte bei älteren Menschen tief. Man wird sich plötzlich darüber bewusst, dass der eigene Körper nicht mehr so funktioniert wie gewohnt und nicht selten führt die Angst vor einer weiteren, tatsächlichen Verletzung dazu, dass die Person fortan übervorsichtig reagiert oder gar Situationen meidet, in denen sie die Gefahr eines weiteren Sturzes vermutet. Im schlimmsten Fall können Isolation und Einsamkeit die Folge sein. Somit haben Stürze nicht nur Auswirkungen auf die körperliche sondern auch auf die seelische Gesundheit eines Menschen.

 

Warum aber neigen ältere Menschen eher zu Stürzen als ihre jüngeren Mitmenschen?

Verantwortlich hierfür sind verschiedene Gründe: Zum einen können körperliche Ursachen wie Schwindel, Müdigkeit, Bluthochdruck oder eine altersbedingte Muskel- oder Sehschwäche die Sturzgefahr erhöhen. Nicht selten werden solche körperlichen Beschwerden erst durch die Einnahme von Medikamenten hergerufen, zu denen ältere Menschen viel häufiger greifen müssen als jüngere Personen. Zum anderen können geistige Erkrankungen wie eine beginnende Demenz dazu führen, dass die Person sich nicht mehr sicher bewegt oder im Alltag zurechtfindet. Auch bewegen sich ältere Menschen oftmals in einer Umgebung, die nicht an ihre sich verändernden Bedürfnisse angepasst ist. Dies gilt nicht zuletzt für die eigenen vier Wände. Auch wenn man davon ausgehen mag, dass Senioren mit den Räumlichkeiten ihres eigenen Zuhauses bestens vertraut sind, so ist die Unfallgefahr daheim doch am höchsten: Gut 80% aller Stürze erfolgen zuhause.

 

Welche sind also die Gefahrenquellen für Stürze in den eigenen vier Wänden?

Zu den Hauptrisikofaktoren gehören sicherlich Treppen: zu steil, zu anstrengend oder zu schmal erhöhen sie das Sturzrisiko im Haus um ein Vielfaches. Ebenso risikobelastet ist das Badezimmer: Wenn die Beweglichkeit nachlässt, wird der Badewannenrand leicht zur Stolperfalle, ebenso nasse Fliesen oder nicht gerade aufliegende Läufer im Badezimmer. Weitere Sturzgefahren bergen auch umherliegende Kabel, unebene Bodenverhältnisse (etwa im Garten) und schlechte Sichtverhältnisse durch eine unzureichende Beleuchtung. Glücklicherweise lässt sich die Sturzgefahr durch zahlreiche Präventivmaßnahmen reduzieren. Wenn ein Umzug in eine barrierefreie Wohnung ausgeschlossen ist, so kann der Einbau eines Treppenlifts einer älteren Person die uneingeschränkte Mobilität in ihrer Wohnung zurückgeben. Statt einer Badewanne bietet sich eine bodengleiche Dusche an. Da auch ohne Badwannenrand weiter Rutschgefahr durch nasse Fliesen besteht, sollte diese mit Haltegriffen in einer gut erreichbaren Höhe sowie einem Duschhocker ausgestattet werden. Auch für die Toilette gibt es spezielle Haltegriffe, die das Hinsetzen und das Aufstehen erleichtern. Durchgänge und Türen sollten stets frei von herumliegenden Gegenständen wie Schuhen, Taschen oder sonstigen Stolperfallen gehalten sein. Eine ausreichend helle Beleuchtung sorgt dafür, dass Gefahren besser erkannt werden. Gerade für den nächtlichen Gang zum WC bieten sich Nachtlichter an, die gut zu erreichen sein müssen. Teppiche und Bodenläufer können mit Klebeband am Boden fixiert werden, um Faltenwurf zu vermeiden. Rutschfeste Hausschuhe erhöhen die Trittsicherheit. Eventuell ist sogar orthopädisch angepasstes Schuhwerk erforderlich. Generell sollten Möbel so aufgestellt werden, dass sie den Weg nicht versperren. Auch sollten Arbeitsplatten, Ess- und Schreibtische in Bedienhöhe sein, sodass keine Trittleiter benötigt wird. Das gleiche gilt für Wandschränke oder Regale: Fächer, die ohne Hilfsmittel nicht zu erreichen sind, sollten besser ungenutzt bleiben.

 

Diese vorbeugenden Maßnahmen sind selbstverständlich kein Garant für unfallfreies Wohnen im Alter. Deshalb sollte auch dafür gesorgt werden, dass im Falle eines Falles schnell Hilfe kommt. Nicht selten leben Senioren allein, weshalb die betroffene Person im Ernstfall erst einmal auf sich allein gestellt ist. Hier kann die Einrichtung eines Hausnotrufs eine lebensrettende Investition sein. Eine solche Notrufeinrichtung lässt sich beispielsweise an einem Schmuckstück befestigen, dass die Person stets am Körper trägt. Im Ernstfall lässt sich der Notruf durch einen einfachen Knopfdruck verständigen. Dies ist nicht nur schneller als ein Telefonanruf, es ist auch besonders nützlich, weil die gestürzte Person das Telefon vielleicht auch gar nicht erreichen kann. Natürlich kann es bei einem besonders schlimmen Sturz auch zum Verlust des Bewusstseins kommen. Wenn möglich, sollten eventuelle Familienmitglieder oder Freunde es sich zur Gewohnheit machen, sich in regelmäßigen Zeitabständen nach dem Wohlergehen der älteren Person zu erkundigen, insbesondere dann, wenn diese alleine lebt. Überhaupt können nahestehende Personen helfen, die ältere Person für das Sturzrisiko zu sensibilisieren: Niemand gibt gerne seine Selbständigkeit auf, aber mit ein wenig Diplomatie lassen sich ältere Menschen sicherlich gerne beim Aufhängen von Gardinen, beim Staubwischen auf erhöhten Flächen und Ähnlichem unterstützen.

 

Aber auch außerhalb der eigenen vier Wände gibt es einige Stolperfallen: Rutschiges Laub, eisglatte Straßen und Fußwege sowie nasse Treppenstufen bergen die Gefahr eines Sturzes. Hier lässt sich das Risiko durch stabiles, rutschfestes und passgenaues Schuhwerk minimieren. Ebenso können Gehhilfen wie Gehstöcke oder –Gestelle sowie Rollatoren unterstützend helfen. Wenn Senioren eine bestimmte Strecke regelmäßig zurücklegen – etwa zum Einkaufen oder für Arztbesuche – lohnt sich die Überlegung, ob es nicht eine sicherere Alternative gibt. Können Treppenstufen, glatte Gehwege, stark befahrene Straßen etc. eventuell durch die Nutzung von Aufzügen oder Rolltreppen sowie durch die Nutzung von ruhigeren Straßen umgangen werden?

 

All diese Präventivmaßnahmen können dazu beitragen, das Sicherheitsgefühl einer älteren Person erheblich zu stärken und Verletzungen vorzubeugen. Auch wenn sich nicht vermeiden lässt, dass Senioren naturgemäß mit einigen körperlichen Einschränkungen zu kämpfen haben, so können sie doch etwas für die eigene Gesundheit tun. Regelmäßige Bewegung und leichte Gymnastik halten bis ins hohe Alter fit. An einigen Volkshochschulen werden sogar spezielle „Fall-Seminare“ angeboten, in denen ältere Menschen lernen, sich im Ernstfall richtig abzurollen und Verletzungen zu vermeiden. Mit der richtigen Mischung aus selbstverantwortlicher Eigeninitiative und Unterstützung von außen können sich Senioren folglich trotz eines erhöhten Sturzrisikos auch mit zunehmendem Alter sicher und selbstständig im Alltag bewegen.