Die Vorteile der Reform im Überblick

Mit dem Jahr 2017 tritt eine Pflegereform in Kraft, die anhand ihrer Neuerungen dafür sorgt, dass Pflegebedürftige eine Reihe von Vorteilen genießen, wobei grundlegend wichtig bleibt, dass der Patient in jedem Falle nicht schlechter gestellt wird, als zuvor.

Zunächst ist vorgesehen, dass der erste Teil der Reform zum Jahreswechsel in Kraft tritt und ein zweites Gesetz im Jahresverlauf folgt.

Was sind die Gründe und Vorteile?

Der Beweggrund für die Pflegereform 2017 ist es grundlegend und allen voran, die Unterstützung für Pflegebedürftige zu erhöhen. Außerdem sollen auch pflegende Angehörige gerade im Hinblick auf Kurzzeit- oder Nachtpflege vermehrt durch ambulante Pflegedienste entlastet werden. Zusätzlich sollen ebenso die Betreuungsleistungen in stationären Einrichtungen ausgebaut werden. Dafür ist es vorgesehen, dass sich die Anzahl der Betreuungskräfte in der stationären Pflege, welche eine unterstützende Rolle der Fachkräfte einnehmen, nahe zu verdoppelt. Dadurch soll sichergestellt werden, dass eine bessere Betreuung der Pflegebedürftigen, in Form von Spaziergängen oder netten Gesprächen, garantiert werden kann. Andererseits werden allerdings höhere Beiträge verursacht, welche teilweise in einen Vorsorgefonds fließen, der für die Zahlung von Pflegeleistungen für geburtenstarke Jahrgänge vorgesehen ist. Die Pflegereform steht ebenso dafür, dass Pflegebedürftige mit eingeschränkter Alltagskompetenz, was also insbesondere dementiell Erkrankte betrifft, Leistungen erhalten, die besser auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Eine grundlegende Änderung manifestiert sich ebenso in einem abgeänderten Begriff der Pflegebedürftigkeit sowie die Gleichstellung physischer mit psychischen Faktoren, die maßgebend für die Einteilung in eine Pflegestufe sind. Vorteilhaft zeigt sich die Pflegereform 2017 einerseits in der Verbesserung der finanziellen Lage des Patienten und andererseits in einer gestärkten Berücksichtigung der Bedürfnisse von dementiell erkrankten Patienten.

Der mit den geplanten Änderungen ab dem Jahr 2017 neu definierte Begriff der Pflegebedürftigkeit beschreibt Beeinträchtigungen der Selbständigkeit des Pflegebedürftigen, welcher sich in sechs Module untergliedern und die Mobilität, die kommunikativen Fähigkeiten, psychische Problemstellungen, die Selbstversorgung, welche vorher als die Grundpflege definiert wurde, die selbständige Bewältigung von krankheits- beziehungsweise therapiebedingten Tätigkeiten sowie die Gestaltung des eigenen Alltags beleuchtet. An dieser Stelle soll also auf die Frage ob der Patient diese Tätigkeiten noch selbständig, teilweise selbständig oder nicht mehr selbständig ausführen kann abgezielt werden.

Wird die Pflegestufe automatisch zum Pflegegrad?

An die Stelle des Begriffs der „Pflegestufe“ rückt mit Eintritt der Pflegereform der Begriff des „Pflegegrades“. So erfolgt eine Erneuerung der Abstufung der Pflegebedürftigkeit, durch welche gerade Patienten mit eingeschränkter Alltagskompetenz gerechter eingestuft werden sollen und in diesem Sinne den höheren Pflegegrad zugesprochen bekommen. Da die Reform mit dem 01.01.2017 in Kraft treten soll, werden Patienten, die bis zum Stichtag 31.12.2015 bereits eine Pflegestufe erhalten haben beziehungsweise alle Voraussetzungen für die Leistungen der Pflegeversicherung erfüllen, automatisch und ohne eine erneute Begutachtung dem entsprechenden Pflegegrad zugeordnet. Diese Zuordnung erfolgt nach klar definierten Regelungen, die Sie nachfolgender Tabelle entnehmen können.

Die Pflegestufen und ihre Entsprechung mit der Pflegereform 2017

Pflegestufe ohne eAK Pflegestufe mit eAK 
Pflegestufe 1Pflegegrad 2 Ohne PflegestufePflegegrad 2
Pflegestufe 2Pflegegrad 3 Pflegestufe 1Pflegegrad 3
Pflegestufe 3Pflegegrad 4Pflegestufe 2Pflegegrad 4
Pflegestufe 3 HärtefallPflegegrad 5Pflegestufe 3 (Härtefall unerheblich)Pflegegrad 5

*eAK = eingeschränkte Alltagskompetenz


Was erhält der Pflegebedürftige?

Grundlegend gilt, dass der Pflegebedürftige mit der Einstufung in die Pflegegrade mehr Leistungen erhält als zuvor. Für Pflegegeld und Pflegesachleistungen sind die Pflegegrade 2 bis 5 anspruchsberechtigt. So erhält ein Patient des Pflegegrades 2 Pflegesachleistungen in Höhe von 689€ oder Pflegegeld in Höhe von 316€ monatlich. Dies entsprach bei Zutreffen der Pflegestufe 1 ohne eingeschränkte Alltagskompetenz beispielsweise Pflegesachleistungen in Höhe von nur 468€ monatlich. Für den Pflegegrad 3 entspricht dies einem Betrag der Pflegesachleistung von 1.298€ und einem Pflegegeld von 545€ pro Monat.  Bei vorheriger Einstufung in die Pflegestufe 1 mit eingeschränkter Alltagskompetenz entsprechen die Leistungen schon dem doppelten Umfang der vor dem Inkrafttreten der Pflegereform 2017 gezahlten Leistungen. An dieser Stelle kann besonders gut verdeutlicht werden, dass gerade dementiell erkrankte Pflegebedürftige von der Pflegereform 2017 profitieren. Die Sachleistungen für die Pflegegrade 4 beziehungsweise 5 betragen 1612€ beziehungsweise 1995€ monatlich. Das entsprechende Pflegegeld beläuft sich bei dieser Einstufung auf 728€ beziehungsweise 901€ pro Monat.

Für wen ist der Pflegegrad 1 vorgesehen?

Auch die neue Einstufung in den Pflegegrad 1 dürfte für viele Pflegebedürftige, man geht hierbei zur Zeit von einer Anzahl von circa 500.00 aus, einen erheblichen Vorteil darstellen, da diese bislang keiner Zuordnung in eine Pflegestufe unterlagen. Das Leistungsspektrum für diesen Pflegegrad umfasst mit der Pflegereform 2017 neben der Pflegeberatung, zusätzliche Leistungen für Patienten, welche in ambulanten Wohngruppen untergebracht sind, sowie finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten eine Verbesserung des Wohnumfeldes, zusätzliche Betreuungsangebot in stationären Pflegeeinrichtungen, Pflegekurse für Angehörige und einen Entlastungsbetrag in Höhe von 125 €, der an dieser Stelle und bei Zutreffen des Pflegegrades 1 auch für die durch einen Pflegedienst erbrachte Grundpflege eingesetzt werden kann. Patienten, die sich in einer vollstationären Pflege befinden, erhalten einen monatlichen Zuschuss von 125€.

Was ändert sich bei den Pflegegraden 2 bis 5?

Patienten mit Pflegegrad 2 bis 5, die in einer Pflegeeinrichtung für die vollstationäre Pflege untergebracht sind, werden mit Eintreten der Reform ebenso geringfügig höhere Leistungen erhalten. Besonders die Pflegegrade 4 und 5 werden mit höheren Leistungen unterstützt. So zahlt die Pflegekasse für den Pflegegrad 4 1.775€ und für den Pflegegrad 5 2.005€.

Punktescala statt bewährte Zeitmessung

Bei der Einstufung des Antragsstellers wird ab der Reform 2017 der Begriff des Neuen Begutachtungsassessment (NBA) eine große Rolle spielen. Was sich kompliziert anhört, ist im Grunde ein einfaches und neu durchdachtes Konzept, welches nicht nur die physischen Einschränkungen der Patienten inkludiert, sondern eben auch die geistige Verfassung des Pflegebedürftigen berücksichtigt. An die Stelle der bewährten Zeitmessung rückt eine Punkteskala, mittels derer die Selbständigkeit des Patienten eingeschätzt und in Pflegegrade unterteilt wird. Die Begutachtungskriterien beziehen sich auf sechs verschiedene Bereiche und dabei im Detail auf alltägliche Verrichtungen, Bedarf an psychosozialer und nächtlicher Unterstützung, wie lange der Patient allein gelassen werden kann, welcher Unterstützungsbedarf bezüglich der vorliegenden Krankheit notwendig ist und wer die Hilfe bereit stellen wird.

Die Voraussetzungen für eine bestimmte Pflegestufe unterscheiden sich außerdem leicht von den Voraussetzungen für einen Pflegegrad. Es wurden bislang grobe Richtwerte erstellt, welche bis zum Inkrafttreten der Reform weiter überprüft werden. So wird nicht wie bislang nur der benötigte Hilfebedarf der Grundpflege und der hauswirtschaftliche Unterstützungsbedarf in Minuten erfasst, sondern zusätzlich die Anzahl der benötigten Einheiten für die psychosoziale Unterstützung, die Anzahl der nächtlichen Hilfen sowie die Zeitspanne, in der der Pflegebedürftige tagsüber auf keine Hilfe angewiesen ist.

Prinzipiell gilt also, dass durch die Pflegereform 2017 eine bessere, umfangreichere und gezieltere Betreuung von Pflegebedürftigen ermöglicht werden soll. Anhand welcher neuen Maßnahmen und Reforminhalte dies umgesetzt werden soll, fasst abschließend nachfolgende Tabelle zusammen, welche die Neuerungen 2017 mit dem aktuellen Pflegegesetz vergleicht.

Neuerungen der Pflegereform im Überblick

Aktuelles Pflegegesetz
Neuerungen mit der Pflegereform 2017
Begriff der Pflegebedürftigkeit
entspricht dem Grad der Hilfebedürftigkeit
Begriff der Pflegebedürftigkeit
entspricht dem Grad der individuellen Selbständigkeit
Unterteilt wird in 3 Pflegestufen (inkl. Härtefall)Unterteilt wird in 5 Pflegegrade
Rund 500.000 Pflegebedürftige erhalten unter den aktuellen Kriterien keine LeistungenDiese werden in Pflegegrad 1 aufgefangen
Begutachtungskriterien beziehen sich auf MinutenwerteNeues Begutachtungsassessment (NBA)
bezieht sich auf eine Punkteskala bezüglich der Fähigkeit den Alltag selbständig zu bewältigen
Physische Einschränkungen werden bei Einstufung vordergründig behandeltGleichbehandlung physischer und kognitiver Einschränkungen
Eingeschränkte Alltagskompetenz wird berücksichtigt

Patienten meist „PS 0“ ohne körperliche Einschränkungen
Eingeschränkte Alltagskompetenz wird besser berücksichtigt und ist im Pflegegrad inbegriffen

Patienten erhalten auch ohne körperliche Einschränkungen einen Pflegegrad
Betreuungsangebot begrenztUmfangreichere Betreuungsangebote (zusätzliche Betreuungskräfte in stationären Einrichtungen)
Stationär:
Eigenanteil für Heimunterbringung steigt mit Pflegestufe
Einrichtungseinheitlicher Eigenanteil, der für jeden Pflegegrad gleich hoch ist
-Mit Einstufungsbescheid erhält jeder Pflegebedürftige einen Pflegeberater