Was ist ein Pflegetagebuch?

Pflegebedürftig zu sein bedeutet, dass damit eine gewisse Abhängigkeit von einer oder mehreren Personen verbunden ist. Seit Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 haben Pflegebedürftige Anspruch auf finanzielle Zuwendungen. Diese erhalten sie nur dann, wenn sie durch den MDK (medizinischen Dienst der Krankenkassen) als pflegebedürftig anerkannt sind. Zu diesem Zweck werden sie von Fachleuten besucht. Die Höhe Pflegestufe und die damit verbundenen Leistungen richten sich nach dem zeitlichen Aufwand für die tägliche Pflege. Das gilt nicht ausschließlich für Menschen, die im privaten Umfeld ihren Angehörigen zur Seite stehen. Auch professionelle Pflegedienste müssen anhand des Pflegetagebuches dokumentieren, wie hoch ihr Zeitaufwand für die Tätigkeit zur Versorgung des Einzelnen ist.

 

Das Pflegetagebuch hilft bei der Festlegung einer Pflegestufe

Sobald ein Antrag zur Bewilligung von Pflegegeld gestellt wurde, sollte das Pflegetagebuch geführt werden. Nicht nur die Art der Handreichungen muss dokumentiert werden. Viel wichtiger ist die dafür benötigte Zeit. Scheuen Sie sich also nicht, eine Stoppuhr als Hilfsmittel zur Dokumentation zu verwenden. Beginnend beim Aufstehen bis zum Wechsel der Windeln in der Nacht, halten Sie jede Handreichung fest. Sehr hilfreich sind Tabellen, in die Sie den Beginn und das Ende einer Tätigkeit eintragen. Die benötigte Zeit pro Tag wird zusammengezählt und aus dem Durchschnitt errechnen die Fachleute den täglichen Aufwand für die Pflege.

 

Wer stellt Pflegetagebücher zur Verfügung?

Vordrucke gibt es bei jeder Krankenkasse. Sie unterscheiden sich kaum und lassen sich am heimischen PC ausdrucken. Viele Vereine, die sich um das Wohl von pflegebedürftigen Menschen bemühen, bieten die Vordrucke ebenfalls zum kostenlosen Download an. Dazu gehören der VdK, Vereine zur Unterstützung von Alzheimerpatienten und Behinderteneinrichtungen.

 

Warum überhaupt das Pflegetagebuch führen? 

Die Eintragungen lassen sich mit dem Handbuch eines Controllers vergleichen. Auch er dokumentiert genau, wie viel Zeit ein Mitarbeiter für einen bestimmten Auftrag benötigt. Nur durch das Erfassen des zeitlichen Aufwands ist es möglich, den Grad der Pflegebedürftigkeit festzulegen. Gleichzeitig lässt sich daraus ableiten, welche Hilfsmittel Ihnen die tägliche Arbeit erleichtern. Ein Beispiel:

Sie duschen Ihren Angehörigen zweimal in der Woche. Da derjenige nicht selbstständig stehen kann, haben Sie vor dem Duschbad etliche Vorkehrungen zu treffen. Dazu zählt, dass ein zweiter Erwachsener zugegen sein muss, um ein sicheres Umsetzen vom Rollstuhl in die Dusche zu gewährleisten. Als Sitzplatz benutzen Sie hier einen ausrangierten Stuhl aus Holz. Der Intimbereich kann nur zu zweit gewaschen werden, da der Pflegebedürftige ja nicht alleine stehen kann. Schreiben Sie die benötigte Zeit für beide Helfer auf und legen Ihre Aufzeichnungen der Fachkraft des MDK´s vor.

Sie werden erfahren, dass er oder sie Ihnen unterschiedliche Möglichkeiten aufzeigt, die Ihnen das Duschen wesentlich erleichtert. Ein stabiler Duschstuhl mit Armlehnen und Hygieneausschnitt kommt unter anderem infrage. Eventuell bietet sich auch der Einsatz eines Badewannenlifters an.

 

Was soll in das Tagebuch eingetragen werden?

Das mag im ersten Augenblick zwar ein wenig überspitzt klingen, aber tragen Sie bitte jede Handreichung in das Pflegetagebuch ein. Egal, ob Sie eine Windel wechseln, den Apfel schälen und mundgerecht schneiden oder die Mahlzeit anreichen. Alles sollten Sie hier mit präzisen Zeitangaben dokumentieren. Nur so sind Sie in der Lage, den tatsächlichen Zeitaufwand zu belegen. Zur Körperpflege zählen: Waschen, Kämmen, Gebissreinigung, Intimpflege und das Wechseln von Inkontinenzartikeln.

Auch hauswirtschaftliche Tätigkeiten müssen im Pflegetagebuch dokumentiert werden. Das sind: Einkaufen, Zubereiten der Nahrung, Putzen, Waschen, Bügeln und selbst das Heizen der Wohnung gehört dazu. Achten Sie darauf, dass nicht nur die Zubereitung der Nahrung festgehalten wird. Auch die mundgerechte Teilung und/oder das Anreichen braucht Zeit. Schreiben Sie ebenfalls die dafür aufgewendeten Minuten in das Pflegetagebuch.

 

Wie lange sollte ein Pflegetagebuch geführt werden?

Dazu gibt es keine allgemeingültige Antwort. Die Dauer der Eintragungen hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Wem es nicht lästig wird, der tut gut daran, das Pflegetagebuch dauerhaft zu führen. Nur so ist er in der Lage nachzuweisen, in welcher Weise sich sein Zeitaufwand durch eine zunehmende Pflegebedürftigkeit erhöht. Selbst wenn es anfangs lästig erscheint. Mit der Zeit gewöhnen Sie sich daran und es wird Ihnen selbstverständlich sein, die Eintragungen im Pflegetagebuch durchzuführen.

Die Pflegeversicherung gehört zu den fünf Säulen des Sozialversicherungssystems. Jeder Arbeitnehmer und Rentner zahlt seinen Beitrag in diese Kasse. Pflegende Angehörige leisten einen erheblichen Beitrag für die Allgemeinheit. Daher scheuen Sie sich nicht, und nehmen Sie alle Rechte in Anspruch. Führen Sie ein Pflegetagebuch und legen es bei Bedarf den Begutachtern vor. Schreiben Sie hier jede Minute auf, die Sie für die Versorgung Ihrer pflegebedürftigen Familienmitglieder benötigen. Skrupel sind hier nicht angebracht. Würde Ihr Angehöriger in einem Pflegeheim leben, wären die Kosten weitaus höher, als die Pflege zu Hause. Dabei spielt keine Rolle, ob Sie Ihre Eltern, den Ehepartner oder ein Kind versorgen. Das gilt natürlich auch dann, wenn Sie keine verwandtschaftliche Bindung zum Pflegebedürftigen haben. Nachbarschaftshilfe ist zwar gut, aber Sie sollten die Versorgung nicht unentgeltlich durchführen. Besorgen Sie sich auch in dem Fall das Pflegetagebuch.