Informationen zu Pflegestufen

In den letzten Jahren werden immer mehr Menschen pflegebedürftig. Gleichzeitig hat sich jedoch auch die Arbeit an sich sowie die gestellten Anforderungen stark verändert. So wird von Angestellten eine immer größere Flexibilität erwartet, die sich unter anderem in Schichtarbeit äußert. Wenn in einer solchen Situation ein Angehöriger zum Pflegefall wird, kann die Familie vor einer großen Herausforderung stehen. In den seltensten Fällen ist es möglich, sich der pflegebedürftigen Person zu widmen, ohne Einschränkungen im Bereich von Arbeit und Freizeit hinnehmen zu müssen. Eine Erleichterung kann hier beispielsweise eine 24 Stunden Betreuung darstellen, die rund um die Uhr für die pflegebedürftige Person da ist. Weil die Finanzierung einer der wichtigsten Aspekte ist, sollte immer eine Pflegestufe beantragt werden. Wird der Antrag bewilligt, kommt die Pflegekasse teilweise für die entstehenden Kosten auf.

Das System der Pflegestufen

Welche Pflegestufe angemessen ist, entscheidet zunächst vor allem der gesundheitliche Zustand der zu pflegenden Person. Generell verfügt das System der Pflegekasse über 3 unterschiedliche Pflegestufen. Je höher die Pflegestufe ist, desto größer ist der finanzielle Zuschuss. Neben der physischen Verfassung wird ebenfalls die psychische berücksichtigt. So erhalten Pflegebedürftige mit Demenz monatlich einen weiteren Betrag zur Verbesserung der Lebensqualität durch ausreichende Pflegemaßnahmen.

Pflegestufe 0

Die Pflegestufe 0 steht Menschen zur Verfügung, deren Pflegeanspruch noch nicht den Anforderungen für die erste Stufe entspricht. Dabei handelt es sich um Personen mit Demenz, deren körperlicher Zustand noch sehr gut ist. Die Pflegestufe 0 wird häufig auch als „eingeschränkte Alltagskompetenz“ bezeichnet. Betroffenen steht ein monatlicher Betrag von 231 Euro in Form von Pflegesachleistungen oder ein Pflegegeld in der Höhe von 123 Euro zu.

Pflegestufe 1

Menschen, denen die erste Stufe zusteht, gelten als erheblich pflegebedürftig. Der tägliche Hilfebedarf muss bei mindestens 90 Minuten liegen. Insgesamt 45 Minuten werden für die Grundpflege (Körperpflege, Ernährung, Mobilität) beansprucht. Darüber hinaus benötigt die betroffene Person mehrmals in der Woche Unterstützung im Haushalt. Dazu gehören Tätigkeiten, wie die Erledigung von Einkäufen oder das Waschen der Wäsche. Wer diese Anforderungen erfüllt, erhält am Ende des Monats 468 Euro an Sachleistungen. Kann zudem eine Demenzerkrankung diagnostiziert werden, erhöht sich der Betrag um zusätzliche 221 Euro. Das Pflegegeld beträgt 244 Euro beziehungsweise 316 Euro.

Pflegestufe 2

Schwer pflegebedürftige Personen gehören der 2. Pflegestufe an. Täglich wird eine Hilfestellung von 3 Stunden notwendig. Insgesamt 2 Stunden entfallen auf die Grundpflege. Hier muss zudem mindestens dreimal am Tag zu unterschiedlichen Zeiten Unterstützung angefordert werden. Weiterhin müssen mehrmals die Woche Haushaltsaufgaben erledigt werden. Pflegestufe 2 wird im Rahmen von Pflegesachleistungen mit 1144 beziehungsweise 1298 Euro gefördert. Das Pflegegeld hingegen beträgt 458 Euro. Bei einer Demenzerkrankung erfolgt ein zusätzlicher Zuschuss von 87 Euro.

Pflegestufe 3

In die dritte Pflegestufe fallen alle Menschen, deren Erkrankung mit Stufe 0, 1 oder 2 nicht adäquat gepflegt werden kann. Es ist von einer schwersten Pflegebedürftigkeit die Rede. Der Betroffene muss jeden Tag eine Hilfestellung von mindestens 5 Stunden anfordern. 4 Stunden müssen für die Grundpflege angewendet werden. Im Rahmen der Grundpflege wird die Unterstützung durch einen Angehörigen oder einen sonstigen Pfleger rund um die Uhr benötigt. Weiterhin ist die Erledigung von Haushaltsaufgaben mehrmals die Woche notwendig. 1612 Euro Pflegesachleistung stehen der pflegebedürftigen Person in der 3. Pflegestufe zu. Das Pflegegeld liegt bei 728 Euro. Ein weiterer Zuschuss aufgrund einer Demenzerkrankung wird nicht gewährleistet.

Weitere Leistungen

Bei der Verhinderungspflege handelt es sich um eine zeitlich beschränkte Leistung. Sie kommt dann zum Einsatz, wenn der oder die Pflegerin kurzfristig erkrankt oder aufgrund von Urlaub ausfällt. Die temporäre Obergrenze liegt bei 42 Tagen im Jahr. Seit 2015 zahlt die Krankenkasse 1612 Euro für die Verhinderungspflege.

Manchmal führen Umstände dazu, dass der Patient innerhalb eines kurzen Zeitfensters vollstationär aufgenommen werden muss. In einem solchen Fall wird von Kurzzeitpflege gesprochen, die maximal 28 Tage beanspruchen darf. Gefördert wird eine Kurzzeitpflege mit 1612 Euro. Der Grund muss bei einer Verhinderung der häuslichen Pflege liegen.

Wie kann ich eine Pflegestufe beantragen?

Zur Beanspruchung einer Pflegestufe müssen zunächst verschiedene Formulare ausgefüllt werden. Diese lassen sich bei der eigenen Krankenkasse häufig im Internet oder vor Ort finden. Bei dem Beschriften der Dokumente ist es wichtig, dass die beanspruchte Zeit zur Pflege des Angehörigen stimmt. Ansonsten wird der Antrag höchstwahrscheinlich abgelehnt. Dementsprechend ist es sinnvoll, zunächst ein Pflegetagebuch zu führen. Darüber hinaus kann mit dem behandelnden Arzt des Patienten gesprochen werden. Existieren Untersuchungsergebnisse, die auf bestimmte Einschränkungen hinweisen, ist es möglich, diese bereits einzureichen.

Nachdem der Antrag bei der Pflegeversicherung eingereicht wurde, wird diese sich zur Vereinbarung eines Termins melden. Um den Zustand der Person einzuschätzen, wird der Patient von einem unabhängigen Dienst, dem MDK, aufgesucht. An diesem Tag sollte im besten Fall mindestens ein Familienmitglied anwesend sein, um aufkommende Missverständnisse zu vermeiden. Auf Grundlage des Gutachtens erfolgt schließlich die Einstufung. Damit es zu keinem unnötigen Papierkrieg kommt, sollten gemachte Angaben immer der Wahrheit entsprechen und vor dem Eintragen mehrmals überprüft werden. Sollte die gewünschte Pflegestufe abgelehnt worden sein, existieren verschiedene Möglichkeiten. Innerhalb von 4 Wochen kann Widerspruch eingelegt werden. Dieser sollte schriftlich erfolgen und bei der Pflegekasse eingereicht werden. Es genügt ein Dokument, welches zum Ausdruck bringt, dass Widerspruch eingelegt wird und die Begründung folgt. Wurde zuvor ein Pflegetagebuch geführt, so ist es ratsam, nun mit der Aufzeichnung zu beginnen. Neben den verschiedenen Aktivitäten muss vor allem die Zeit vermerkt sein.
Weiterhin ist es hilfreich, um Einsicht in die Akte des Gutachters über den Gesundheitszustand zu bitten. Mithilfe der Dokumente des MDKs lässt sich in der Regel der Grund für die Ablehnung ermitteln. Sollte ein zweiter Antrag erfolgen und ebenfalls abgelehnt werden, ist eine Klage bei dem Sozialgericht in Betracht zu ziehen.

Pflegestufe oder Pflegesachleistung?

Pflegesachleistungen werden stets mehr bezuschusst, als es bei dem Pflegegeld der Fall ist. Welche Variante letztendlich in Frage kommt, müssen die Angehörigen mit dem Pflegebedürftigen gemeinsam besprechen. Pflegegeld wird beantragt, wenn sich Angehörige selber um den Pflegefall kümmern möchten. Soll sich ein Pflegedienst der Aufgabe widmen, muss zu den Pflegesachleistungen gegriffen werden. Beide Möglichkeiten haben ihre Vor- und Nachteile. So schränkt das Pflegegeld die angehörige Familie zum Beispiel in ihrer Arbeit und im generellen Alltag stark ein. Mit einem Antrag auf Pflegesachleistungen kann die pflegebedürftige Person in ihrem gewohnten Umfeld wohnen bleiben. Dies ist vor allem für Patienten mit Demenz wichtig.

Gute Nachrichten: Ab 2017 tritt eine Pflegereform in Kraft, die für Pflegebedürftige eine Reihe von Vorteilen bringt. Mehr dazu finden Sie in unserem ausführlichen Beitrag Pflegestufe wird zum Pflegegrad.