Bei der multiplen Sklerose (MS) handelt es sich um eine chronische Entzündungskrankheit des zentralen Nervensystems. Der Verlauf und die Symptome sind sehr unterschiedlich, weshalb MS auch als „Krankheit mit tausend Gesichtern“ bekannt ist.

 

Was ist multiple Sklerose?

Die multiple Sklerose ist eine chronisch entzündliche Erkrankung, die das zentrale Nervensystem – also Gehirn und Rückenmark – befällt. Es kommt dadurch zu einer teilweisen Zerstörung der Nervenfasern. Durch Abwehrzellen wird das körpereigene Gewebe geschädigt. Multiple Sklerose ist eine so genannte Autoimmunerkrankung.

Durch die Entzündungen in Gehirn und Rückenmark kommt es zu einer Zerstörung der Markscheiden sowie Oligodendrozyten der Nervenfasern. Die Erkrankung tritt meist im Alter zwischen 20 und 40 Jahren auf, doch auch Kinder und Jugendliche sind zunehmend davon betroffen. Frauen sind dabei deutlich häufiger betroffen als Männer.

 

Welche Symptome treten bei multipler Sklerose auf?

Die Symptome bei multipler Sklerose sind sehr unterschiedlich. Es gibt weder typische Symptome noch einen typischen Verlauf der Erkrankung. Bestimmte Frühsymptome treten allerdings recht häufig auf.

 

Empfindungsstörungen

Die Symptome von multipler Sklerose sind in der Regel ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl an Armen und Beinen. Spannungsgefühl um die Gelenk- und Hüftregion, Schmerzen sowie eine geringere Empfindlichkeit (z. B. bei der Wahrnehmung von Temperaturen) sind weitere typische Symptome. Meist beginnen die Missempfindungen in den Füßen oder Fingerspitzen und breiten sich dann weiter aus. Auch das so genannte Nackenbeugezeichen (blitzartiger Schlag entlang der Wirbelsäule beim nach vorne Beugen des Kopfes) ist ein typisches Anzeichen der Erkrankung.

 

Sehstörungen

Bei etwa 75 % aller Beteiligten kann es zu Sehstörungen in den unterschiedlichsten Ausprägungen kommen. Ein entzündeter Sehnerv ist hier die häufigste Ursache. Augenschmerzen, die sich bei Bewegung der Augäpfel verstärken, sind typisch. Auch ein Schleier oder Nebel kann sich auf das Auge legen und die Sehkraft beeinträchtigen. Je nach Ausprägung kann es zu Lichtblitzen, einer Beeinträchtigung des zentralen Sehens, Doppelbildern und einer Lähmung der Augenmuskulatur kommen.

 

Muskellähmungen

Durch multiple Sklerose können die Muskeln an Kraft verlieren, sie ermüden schnell, sind angespannt (spastisch) und steif. Auch Lähmungserscheinungen in Armen und Beinen sind typische Anzeichen.

 

Zu diesen typischen Symptomen können sich weitere Anzeichen hinzu gesellen. Dazu gehören beispielsweise

  • Störungen des Gleichgewichts
  • Störungen des Geschmackssinns
  • Lähmungen (Fazialisparese) oder Schmerzen (Trigeminusneuralgie) im Gesicht
  • Sprachstörungen, zitternde Hände und Gangstörungen bei Schädigung des Kleinhirns
  • Funktionsstörungen der Harnblase (bis zu Inkontinenz) und gestörte Stuhlentleerung (Verstopfung)
  • psychische Erkrankungen wie Stimmungsschwankungen, Depressionen, Traurigkeit, Schlaflosigkeit aber auch Euphorie

 

Welche Ursachen hat multiple Sklerose?

Es ist bislang nicht geklärt, welche Ursachen multiple Sklerose hat. Nachweislich entsteht die Erkrankung aufgrund von Entzündungen in Gehirn und Rückenmark. Dadurch kommt es zu einer Zerstörung der Markscheiden der Nervenfasern.

 

Die folgenden Faktoren spielen jedoch eine Rolle bei der Entstehung der Erkrankung:

Autoimmunprozesse

Bei der multiplen Sklerose handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Bei einer solchen Erkrankung richtet sich das körpereigene Immunsystem gegen das Gewebe des Körpers, anstatt fremde Stoffe und Erreger abzuwehren. Ursächlich dafür können zurückliegende Infektionen sein, die in ihrer Struktur den körpereigenen Strukturen ähnlich sind. Es kommt zur Bildung von Antikörpern, die – wenn sie im Blut verbleiben – chronische Erkrankungen begünstigen.

Erblich bedingte Ursachen

Ist in der Familie ein Fall von multipler Sklerose, ist das Risiko für enge Verwandte, ebenfalls zu erkranken, etwa 10- bis 30-mal höher. Eine klassische Erbkrankheit ist es jedoch nicht, da noch andere Faktoren entscheidend sind.

Infektionen

Multiple Sklerose kann aufgrund von ausgeheilten Infektionen mit bestimmten Erregern entstehen. Dabei hat die Oberfläche der Erreger Ähnlichkeit mit den Markscheiden der Nervenfasern. Als Erreger kommen zum Beispiel Herpesviren oder auch Chlamydien in Frage.

 

Zusätzliche Risikofaktoren tragen dazu bei, dass es zu einem akuten Schub kommen kann. Diese sind:

  • Stress (z. B. vor Operationen)
  • Schwankungen des Hormonhaushalts (z. B. Wechseljahre)
  • Infektionen (z. B. Virusinfektionen)
  • diverse aktive Impfungen
  • Hyposensibilisierungen bei Allergien
  • bestimmte Medikamente, durch die das Immunsystem beeinflusst wird

 

Wir wird multiple Sklerose diagnostiziert?

Liegt der Verdacht der multiplen Sklerose vor, wird der Arzt zunächst eine ausführliche Anamnese (Erfassung der Krankengeschichte) und eine neurologische Untersuchung durchführen. Liegt ein MS-Schub vor, dann zeigen sich mögliche Symptome folgendermaßen:

 

  • sie halten für mindestens 24 Stunden an
  • sie sind mindestens 30 Tage nach Beginn des letzten Schubs aufgetreten
  • sie lassen sich nicht durch eine Infektion oder veränderte Körpertemperatur erklären

 

Für die Diagnose ist die neurologische Untersuchung zwingend notwendig, denn nur so lassen sich Hirnnerven auf ihre Funktionen (z. B. Reflexe, Empfindungen) prüfen. Es sind jedoch noch weitere Untersuchungen wie die Liquorpunktion (Untersuchung der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit), ein EEG (Elektroenzephalographie) oder das MRT (Magnetresonanztomographie) zur sicheren Diagnosestellung von Bedeutung.

 

Wie sieht die Therapie von multipler Sklerose aus?

Bei Vorliegen von multipler Sklerose ist es immens wichtig, so früh wie möglich mit der Therapie zu beginnen. Ziel der Behandlung ist dabei die Verringerung der zugrunde liegenden Entzündungen. Es ist jedoch nicht möglich, multiple Sklerose vollständig zu heilen.

 

Folgende Behandlungsansätze kommen in Frage:

  • Schubtherapie: Behandlung akuter Schübe
  • Basistherapie: dauerhafte Behandlung zur Hemmung des weiteren Fortschreitens der Erkrankung
  • symptomatische Therapie: Behandlung der Symptome der multiplen Sklerose

 

Die Schubtherapie

Bei der Schubtherapie sollen die durch den Schub bedingten Symptome bekämpft werden. Durch die eingesetzten Medikamente solle eine positive Beeinflussung der Prozesse des Immunsystems erreicht werden. Zum Einsatz kommen in der Regel hoch dosierte Entzündungshemmer und Kortison. Ist dies nicht ausreichend, kann auch eine Plasmapherese in Betracht gezogen werden. Dabei wird das Blutplasma aus dem Blut gefiltert und gegen eine Ersatzlösung ausgetauscht.

 

Die Basistherapie

Die Basistherapie soll das Fortschreiten der Erkrankung eindämmen und weitere Schübe verhindern oder abschwächen. Zum Einsatz kommen bei der Behandlung Substanzen wie Interferon beta-1a oder beta-1b sowie Glatirameracetat, welche das Immunsystem beeinflussen. Weitere Wirkstoffe zur Behandlung sind Natalizumab, Alemtuzumab oder Fingolimod.

 

Symptomatische Therapie

Eine symptomatische Therapie ist als Begleitmaßnahme zur Basistherapie wichtig. Durch diese Maßnahmen soll die Lebensqualität des Betroffenen verbessert werden, indem die krankheitsbedingten Funktionseinschränkungen verringert werden. Als Therapie kommen Medikamente oder alternative Behandlungsansätze wie Massagen oder Entspannungsmaßnahmen in Frage. Da sich die Symptome bei multipler Sklerose durch Wärme verstärken, ist die Abkühlung des Körpers ebenfalls eine wichtige begleitende Maßnahme.