15 bis 20 % der Deutschen leiden an Laktoseintoleranz. Damit hat diese auch „Milchzuckerunverträglichkeit“ genannte gesundheitliche Störung in Deutschland den Charakter einer Volkskrankheit. Zwar sind die Folgen einer Laktoseintoleranz nur in Ausnahmefällen bedrohlich, sie können aber durchaus eine ernsthafte Minderung der Lebensqualität darstellen. Deshalb ist es ratsam, sich als möglicherweise oder erwiesenermaßen Betroffener mit dem Thema zu beschäftigen, sich fachlichen Rat zu holen und gegebenenfalls angezeigte Maßnahmen zu ergreifen.

 

Was versteht man unter Laktoseintoleranz?

Bei der Laktoseintoleranz ist die Fähigkeit des Körpers, Milchzucker (Laktose) im ausreichenden Maße zu verdauen, ganz oder teilweise nicht mehr gegeben. Wird das in der Milch von Menschen und Säugetieren vorhandene Disaccharid Laktose nicht im Dünndarm durch das Enzym Laktase aufgespalten, kommt es zu irregulären Zersetzungsprozessen. Nichtbehandelte Laktoseintoleranz kann bei fortlaufender Zufuhr von Laktose zu erheblichen Darmfunktionsstörungen führen.

 

Säuglinge und Kleinkinder besitzen in der Regel weltweit die Fähigkeit, mithilfe von Laktase Laktose zu verdauen. Die Tatsache, dass fast 80 % der Weltbevölkerung im Erwachsenenalter diese Fähigkeit verloren haben, erlaubt die Frage, ob es sich bei Laktoseintoleranz überhaupt um eine Erkrankung im eigentlichen Sinne handelt oder nicht stattdessen um eine normale Erscheinung im Zuge der körperlichen Entwicklung. In der übergroßen Mehrheit der Fälle von Laktoseintoleranz wird von „Primärem Laktasemangel“ als natürliche Folge des Erwachsenwerdens gesprochen. Aufgrund genetischer Vorgaben war die Unfähigkeit, als Erwachsener genügend Laktase zu bilden, wahrscheinlich bis vor etwa 10.000 Jahren allgemein verbreitet. Nach dem Abstillen ist es für einen Menschen nämlich nicht mehr erforderlich, Laktose zu verdauen und generell stellt die Laktoseintoleranz in Gesellschaften, in denen Milch nicht zur Ernährung gehört, damit keinen Nachteil dar.

 

Mit dem menschheitsgeschichtlich sehr jungen Aufkommen der Milchwirtschaft gewann die Fähigkeit, Laktose zu verdauen, an Bedeutung und stellte einen Vorteil dar. Menschen mit der mutationsbedingten genetischen Information „Laktose-Verträglichkeit“ hatten nämlich in Kulturen mit Milchviehwirtschaft bessere Überlebens- und damit Fortpflanzungschancen. Als Folge hat sich die heutige uneinheitliche geographisch-anthropologische Verteilung von Laktoseintoleranz ausgebildet. So haben erwachsene Angehörige der traditionell seit langem milchviehhaltenden nord- und mitteleuropäischen Gesellschaften relativ selten Laktoseintoleranz, Südeuropäer sind dagegen etwa zur Hälfte betroffen und Afrikaner sowie Ostasiaten sogar fast in ihrer Gesamtheit.

 

Verglichen mit dem primären Laktasemangel als Ursache für Laktoseintoleranz spielen andere Ursachen zahlenmäßig lediglich eine untergeordnete Rolle. Dazu gehört die genetisch bedingte absolute Laktoseintoleranz, bei der die Milchzuckerunverträglichkeit bereits beim Neugeborenen vorliegt. Ferner kann der Laktosemangel als Folge von anderen gesundheitlichen Belastungen (zum Beispiel Glutenunverträglichkeit, Darm- oder Magenerkrankungen, Allergien, Medikamentenmissbrauch, Morbus Crohn) als sekundäre Laktoseintoleranz auftreten.

 

Welche Symptome treten bei Laktoseintoleranz auf?

Als Ergebnis der irregulären Zersetzungsprozesse im Darmsystem kommt es häufig zu Blähungen, Bauchweh, massiven Flatulenzen und Durchfall. Auch sind Übelkeit und Erbrechen nicht selten Symptome bei Laktoseintoleranz als Reaktion auf die Aufnahme von Milchzucker in Milch, Milchprodukten oder anderen laktosehaltigen Lebensmitteln. Als weitere Symptome kommen unter anderem Schlafstörungen, Hautunreinheiten, Schwindel oder Gelenkschmerzen in Betracht. Allerdings können auch andere Erkrankungen (zum Beispiel Reizdarm, Milchallergien) ursächlich für diese Symptome sein.

 

Wie wird Laktoseintoleranz diagnostiziert?

Ist nach Verzicht auf laktosehaltige Lebensmittel über einen etwa zweiwöchigen Zeitraum ein deutlicher Rückgang der Symptome festzustellen, liegt ein Hinweis auf eine wahrscheinliche Laktoseintoleranz vor. Dieser Verdacht wird erhärtet, wenn als Ergänzung nach der Laktosekarenz wieder Milchzucker aufgenommen wird und sich die Symptome erneut zeigen. Um sicherzugehen, werden bei Laktose-Intoleranz-Verdacht auch häufig Blutzucker -oder Wasserstoff-Atem-Tests durchgeführt.

 

Wie kann man Laktoseintoleranz behandeln?

Beim sekundären Laktasemangel ist die Laktoseintoleranz nach erfolgreicher Beseitigung der Grundstörung in den meisten Fällen behoben. Primärer Laktasemangel kann wie absoluter Laktasemangel dagegen nicht geheilt werden. Aber insbesondere durch die theoretisch simple, aber in der Praxis anspruchsvolle Umstellung der Ernährung auf milchzuckerfreie oder –arme Kost können die oft quälenden Folgen der Milchzuckerunverträglichkeit vermieden werden. Der Lebensmittelhandel bietet dafür eine breite Palette von Milchersatzprodukten an.

Durch fachkundige Ernährungsberatung können die Betroffenen wertvolle Erkenntnisse in Hinblick auf ihre Laktosetoleranz-Diät erhalten.

 

Je nach Schwere der Laktoseintoleranz muss völlig oder doch zumindest teilweise auf laktosehaltige Lebensmittel verzichtet werden. Häufig wird dann, wenn die Laktoseintoleranz als minderschwere Laktoseempfindlichkeit ausgebildet ist, eine tägliche Laktose-Gabe von zehn Gramm und mehr vom Organismus toleriert (in Kuhmilch sind pro 0,1 Liter etwa fünf Gramm Laktose vorhanden). Um zu vermeiden, dass Betroffene laktosehaltige Lebensmittel zu sich nehmen, ist Aufmerksamkeit bei der Beachtung der Lebensmittelkennzeichnungen zu empfehlen. Die Europäische Lebensmittel-Informationsverordnung schreibt vor, dass aufgeführt wird, ob in dem jeweiligen Produkt Milch oder Laktose enthalten sind.

 

Einer eventuell durch Verzicht auf Milchprodukte drohende Unterversorgung von Kalzium kann unter anderem durch die Einnahme von Kalzium-Präparaten begegnet werden.

Alternativ oder ergänzend zum Laktose-Verzicht stellt die Einnahme von Laktase-Präparaten eine Option für die Betroffenen dar. Allerdings ist dabei zu beachten, dass diese Laktase-Zugaben auf den jeweiligen Laktose-Konsum abgestimmt werden müssen und nicht ganz billig sind.

 

Tipp: Milchprodukte, die fermentiert worden sind, wählen. Dazu zählen Joghurt, Quark, Sauermilch, Kefir und Käse. Im günstigsten Fall enthalten diese Lebensmittel so reichlich Laktase, dass ihr Laktose-Gehalt wie zum Beispiel bei Camembert oder altem Bergkäse minimal oder sogar verschwunden ist.