Vor allem in den Industrieländern steigt die Zahl der Menschen mit starkem Übergewicht rapide an. Auch immer mehr Kinder bringen zu viele Kilos auf die Waage. Adipositas verringert die Lebenserwartung, schränkt die Lebensqualität ein und ist Risikofaktor vielerlei Krankheiten.

Es gibt inzwischen dreimal so viele übergewichtige Menschen als noch vor 20 Jahren. Auch bei leichtem Übergewicht läuten bereits die Alarmglocken, denn obwohl die gesundheitlichen Auswirkungen sich noch im Rahmen halten, steigt die Gefahr für Adipositas.

Etwa 20 Prozent der Deutschen leiden heutzutage unter Adipositas. Bei Kindern und Jugendlichen sind es 6 Prozent. Alarmierend ist vor allem die hohe Zahl der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen mit ungefähr 15 Prozent. Problematisch ist auch, dass starkes Übergewicht ohne Gegenmaßnahmen nicht von allein verschwindet, sondern sogar noch schlimmer wird und mit dem Alter zunimmt.

 

Was versteht man unter Adipositas?

Üblicherweise wird anhand des Body-Mass-Index festgestellt, ob das Gewicht in Ordnung ist, Übergewicht besteht oder bereits eine Adipositas vorliegt. Wichtige Werte, um den BMI zu bestimmen sind die Körpergröße, das Gewicht und das Alter. Normalgewichtige Personen haben einen BMI zwischen 18,5 und 25. Der BMI von Übergewichtigen liegt zwischen 25 und 30. Ein BMI über 30 deutet auf Adipositas hin.

 

Adipositas wird in 3 Grade unterteilt:

– Grad 1 BMI 30-35

– Grad 2 BMI 35-40

– Grad 3 BMI ab 40

 

Achtung: Der BMI ist schon lange in Verruf geraten, weil er einige wichtige Faktoren wie die Muskelmasse und den Körperfettanteil nicht berücksichtigt. Daher kommt es bei sehr muskulösen Menschen zu einem erhöhten BMI, obwohl keine körperlichen Störungen vorliegen.

 

Was sind die Ursachen?

Die Ursachen für Adipositas sind vor allem eine zu hohe Kalorienzufuhr in Kombination mit zu wenig Bewegung. Vor allem Fett in Kombination mit Kohlenhydraten ist problematisch. Ein weiteres Problem ist sattmachende Nahrung, die jedoch nicht die benötigten Nährstoffe liefert. Dazu gehören vor allem Weißmehlprodukte und stark zuckerhaltiges Essen. Stark verarbeitete Produkte sind gefährlich und auch erhitzte Speisen können problematisch sein. Zwar ist erhitztes Essen bekömmlicher und leichter verwertbar, doch genau hier liegt das Problem. Der Körper wendet daher weniger Energie auf, als bei rohen Lebensmitteln.

Werden überschüssige Kalorien nicht durch genügend Sport verbrannt, lagert sie der Körper für schlechte Zeiten ein. Dadurch wachsen in der Regel die Fettpolster, weil normalerweise keine Notzeit eintritt, sondern sich der Mensch wie gewohnt ernährt.

Doch die übermäßigen Kalorien lauern nicht nur im Essen, sondern auch im Trinken. In über 80 Prozent besteht ein Zusammenhang zwischen dem übermäßigen Konsum von zuckerhaltigen Getränken und Übergewicht.

 

Darüber hinaus gibt es sogenannte sozio-kulturelle Faktoren, die in Verbindung mit Fehlernährung und Bewegungsmangel Übergewicht begünstigen:

– Nutzung von Auto, Fahrstuhl, Rolltreppe

– viel sitzen

– Freizeit mit viel Computer, Fernsehen

– Essen als Ersatzhandlung (Langeweile, Frust, …)

– Überangebot an Waren im Supermarkt

– Erziehung (Teller immer leer machen)

– keine geregelten Mahlzeiten

– zu schnelles und hastiges Essen

– unbewusstes Essen nebenbei

– appetitanregende Inhaltsstoffe wie Glutamat

– diverse Farb- und Geruchsstoffe für besonders appetitliches Essen

– Geschmacksprägung durch übermäßiges Süßen von Fertigprodukten

 

Ein weiterer sozio-kultureller Faktor ist der soziale Status. Menschen mit geringerem sozialem Status haben häufiger Übergewicht. Menschen mit höherem sozialem Status, bedingt zum Beispiel durch einen guten Schulabschluss, eine hohe Ausbildung, ein hohes Einkommen und eine gute berufliche Stellung, sind seltener adipös. Besonders deutlich wird dieser Unterschied beim weiblichen Geschlecht. Frauen, die der unteren Gesellschaftsschicht angehören, sind zu 35 Prozent adipös. In höheren Schichten sind es nur 10 Prozent.

 

Adipositas kann aber nicht nur Erkrankungen wie Diabetes, Schlaganfall, Bluthochdruck und Krebs auslösen, sondern auch durch bereits bestehende Stoffwechselkrankheiten ausgelöst werden:

 

– Schilddrüsenunterfunktion

– Störungen des Cortisolhaushaltes

– Glucosestoffwechselstörungen mit Hyperinsulinismus

Wenn qualitativ hochwertiger und ausreichender Schlaf fehlt, kann es ebenfalls zu Adipositas kommen. Außerdem spielen genetische Faktoren eine Rolle.

 

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Einen Arzt können Sie bereits aufsuchen, wenn Sie es alleine nicht schaffen, abzunehmen. Bei spürbaren Einschränkungen im Alltag aufgrund des Gewichts ist ein Arztbesuch ratsam, denn Adipositas kann zahlreiche Krankheiten wie Arteriosklerose, Gallensteinleiden, Gelenk,- Haut- und Gefäßerkrankungen auslösen. Weitere mögliche Krankheiten sind die Koronare Herzkrankheit, eine Fettstoffwechselstörung und das Schlafapnoesyndrom.

 

Wie kann man Adipositas behandeln?

Bevor Adipositas behandelt werden kann, muss der Grund bestimmt werden. Sollte die Ursache eine Stoffwechselerkrankung sein, wird diese behandelt.

Eine Therapie erfolgt ab einem BMI von 30 und ab einem BMI von 25 unter bestimmten Voraussetzungen wie Folgeerkrankungen und einem auffälligen Fettverteilungsmuster (Apfeltyp). Auch wenn sich Erkrankungen verschlechtert haben oder der Patient unter enormem Leidensdruck steht, wird eine Therapie eingeleitet.

 

Erst Ernährung, dann Bewegung

Weil übergewichtigen Menschen Bewegung schwer fällt, sollte zuerst bei der Ernährung angesetzt werden. Das Gewicht wird in kleinen Schritten gesenkt. Eine gute Zusammenarbeit mit dem Therapeuten und Motivation des Betroffenen sind sehr wichtig. Die Ziele der Therapie sind:

 

– der Verlust von 5 bis 8 Kilogramm Gewicht pro Jahr

– Stabilisierung des Gewichts

– Gewohnheiten in Bezug auf Ernährung und Bewegung optimieren

– lernen, was gesund ist

– Lebensqualität steigern

– Selbstbewusstsein und Stressbewältigung stärken

 

Der Patient muss etwa 500 bis 800 Kalorien mehr verbrauchen, als er zu sich nimmt. Um Gewicht zu reduzieren, sind mindestens 5 Stunden Bewegung in der Woche erforderlich.

Nur in akuten Fällen kommt eine Adipositaschirurgie mit Magenband oder Magenverkleinerung zum Einsatz.